Die neue Vorstellrunde beginnt und das gleich mit einer meiner liebsten Freundinnen Anna! Mit ihr gemeinsam gehe ich meinen Weg bereits seit einigen Jahren. Uns verbindet eine Menge und ich bin unbeschreiblich froh, dass sie meine Freundin ist. Seit einiger Zeit gibt es nun eine weitere Gemeinsamkeit – den Veganismus. Anna schreibt auf ihrem Blog „Stille Revolution“ (auch bei Facebook) und ist auch für „Dein Freund“ tätig – schaut mal vorbei!

Vielen Dank für deine lieben Worte und inspiriernden Gedanken. Es ist schön, dass es dich gibt und ich danke dir für jede Sekunde, die du an meiner Seite warst und sein wirst!

Wann bist du vegan geworden? Warst du vorher Vegetarier?
Vegetarierin bin ich schon seit acht Jahren. Im Sommer 2011 habe ich mir das erste Mal Gedanken darüber gemacht, warum ich keine Tiere esse, auf Milchprodukte aber nicht verzichte. Ab da habe ich mich langsam an das Thema Veganismus rangetastet. Den endgültigen Schritt habe ich im Juli 2012 gemacht.

Was war der Auslöser?
Den einen Auslöser gab es nicht. Eine alte Schulfreundin von mir – Stina von Veganpassion – lebt seit mehreren Jahren vegan und im Mai 2011 habe ich sie bei einer Veranstaltung in meinem alten Heimatdorf getroffen, wo sie einen kurzen Vortrag über Veganismus gehalten und uns mit veganen Muffins und Kuchen verköstigt hat. Anschließend habe ich mir erste Bücher zum Thema Veganismus besorgt und beim Lesen gemerkt, wie wichtig es wäre, nun den weiteren konsequenten Schritt vom Vegetarierdasein zum Veganismus zu machen.

Im Sommer 2011 habe ich dann auch für drei Monate vegan gelebt. In der Prüfungsphase bin ich aber doch wieder rückfällig geworden und habe Käse gegessen, weil es bei uns an der Uni gar nicht so einfach ist, sich vegan zu ernähren. Außer Brezeln wird nichts angeboten, die vegetarischen Gerichte in der Mensa sind fast immer mit Käse oder Sahne gemacht. Zum damaligen Zeitpunkt hat es mich überfordert, jedes Essen vorauszuplanen, außerdem kannte ich keine anderen Veganer und fühlte mich von meinem Umfeld nicht unterstützt.

Trotzdem hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich Käse oder eine Butterbrezel gegessen habe. Mir war ja absolut klar, dass es falsch ist, Milchprodukte zu konsumieren. Joghurt, Sahne, Milch oder Eier gab es ab da schon nicht mehr in meinem Kühlschrank, und doch war ich nicht 100%ig konsequent.

Ein Jahr nach meinem ersten veganen Versuch kam das Thema wieder auf, und das vor allem durch Dich, liebe Lina. (Der Autor des Blogs ist in diesem Moment mit Herzchenaugen vom Stuhl gekippt!) In unseren täglichen Emails haben wir das Für und Wider erörtert, vor allem aber die Schwierigkeiten, mit denen wir als Veganer konfrontiert sein würden. Einige Wochen habe ich mit mir gekämpft, weil ich bei meinem zweiten Versuch nicht wieder scheitern wollte. Letztendlich dachte ich „Wenn Lina das so gut hinbekommt, kann ich das auch“ – und genauso war es dann auch.

Bis heute schäme ich mich ein bisschen dafür, dass ich es nicht gleich beim ersten Mal durchgezogen habe. Wahrscheinlich habe ich aber diese langsame Umstellung gebraucht, die mit vielen Recherchen einherging. Heute habe ich in Diskussionen bessere Argumente parat als noch vor einem Jahr und kann meine Entscheidung, konsequent vegan zu leben, viel selbstbewusster vertreten. Meine Familie und mein Freund akzeptieren und unterstützen mich, weil sie merken, wie wichtig mir diese Lebensweise ist. Im Internet und über Blogs habe ich viele andere Veganer kennen gelernt und bin momentan dabei, eine vegane Regionalgruppe über den VEBU in meiner Stadt zu gründen, um noch mehr Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen und vielleicht noch ein paar weitere Freunde zu überzeugen.

Vor welche Herausforderungen stellt dich deine vegane Lebensweise?
Gerade die vorgestellten Herausforderungen und möglichen Schwierigkeiten haben mich am Anfang abgeschreckt, bis ich irgendwann verstanden habe, dass ich es wenigstens ausprobieren muss, um zu sagen „das geht nicht“. Und dann versucht man es und natürlich geht es. Die Umstellung war für mich viel leichter als ich jemals erwartet hätte. Ich habe das Gefühl, dass sich die Gesellschaft langsam auch für Veganismus öffnet. In Zeitschriften wird darüber berichtet, es gibt eine Fülle an tollen Kochbüchern und noch viel mehr vegane Blogs, auf denen man sich informieren und inspirieren lassen kann. Es gibt immer mehr rein vegane Restaurants oder zumindest Restaurants, die auch einzelne vegane Gerichte anbieten. Tofu oder Sojabolognese bekommt man längst nicht mehr nur im Bioladen oder Reformhaus, sondern mittlerweile in den meisten Supermärkten. Ich hoffe sehr, dass dieser Trend anhält und die vegane Lebensweise sich immer weiter verbreitet.

Eingeschränkt fühle ich mich nur selten durch meine vegane Ernährung. Mir macht es nichts aus, an fünf Restaurants vorbeizugehen bis ich eines finde, das auch vegane Gerichte anbietet, da ich sowieso wenig Interesse daran habe, in einem Lokal zu essen, das fast nur Fleisch auf der Karte hat. Für meine Mitmenschen ist das manchmal schwieriger. Da muss ich noch lernen, mich nicht mehr zu entschuldigen, weil es eben etwas umständlicher ist, etwas zu finden, wo ich auch essen kann oder möchte. Mit ein bisschen Planung und selbstgemachten Nussecken in der Handtasche klappt eigentlich immer alles.

Welche Möglichkeiten eröffnet dir die vegane Lebensweise?
Je mehr ich über die Auswirkungen unserer Tierausbeutung nachlese, umso mehr kann ich mich mit Veganismus identifizieren. Das ist etwas, für das ich stehen möchte. Seit ich vegan lebe, fühle ich mich mehr im Einklang mit mir selbst – ich kann abends ohne schlechtes Gewissen einschlafen, weil ich jeden Tag mein Bestes gebe, um meine Freunde, die Tiere, zu schützen und der Umwelt so wenig wie möglich zu schaden. Heute klingt es für mich auch ehrlicher, wenn ich sage, dass ich Tiere über alles liebe, weil sich das auch in meiner Lebensweise widerspiegelt. Meinen Wertvorstellungen entsprechend zu handeln, macht mich auch selbstbewusster.
Besonders fasziniert mich aber, dass ich jeden Tag neues dazulerne. Ich bin mit 14 Jahren Vegetarierin geworden, weil ich nicht wollte, dass Tiere sterben müssen, nur damit ich Spaghetti Bolognese essen kann. Ebenso bin ich aus Tierschutzgründen Veganerin geworden. Bei den Recherchen haben sich aber immer neue Welten eröffnet – nach und nach versteht man, wieviel dazu gehört und wie eng unsere Wirtschaft mit Tierausbeutung verknüpft ist. Nachdem ich die Klassiker über Veganismus gelesen hatte, habe ich nun angefangen, mich einerseits mit politischen Hintergründen (z.B. Subventionierung von tierischen Produkten, Lebensmittelherstellung, besondere Konzerne wie Monsanto usw.) auseinanderzusetzen und gleichzeitig habe ich begonnen, Berichte und Studien zu veganer Ernährung zu lesen. Erst nach und nach bekomme ich einen Blick für das große Ganze und wie Politik und Ernährung zusammenhängen.

Was ist deine Motivation, weiterhin vegan zu leben?
Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, jemals wieder Milchprodukte und Eier gedankenlos zu konsumieren – dass ich nie wieder Fleisch oder Fisch esse, ist schon lange beschlossen. Hoffentlich werde ich mein Leben lang bei dieser Entscheidung bleiben.
Mein großer Wunsch für die kommenden Jahre ist, dass ich auch Vorbild für andere sein kann, so wie Stina es vor einem Jahr für mich war. Wir können alle ein Buch über Massentierhaltung lesen und die meisten von uns werden dadurch auch verstehen, warum es falsch ist, wie wir in der heutigen Zeit Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte konsumieren. Aber die wirklichen Menschen in unserem Leben, die uns zeigen, dass die vegane Lebensweise nicht nur möglich, sondern auch sehr bereichernd und lecker ist – das motiviert uns vielleicht, die letzten Bedenken über Bord zu werfen und uns auf vegane Entdeckungsreise zu machen. Und genau das ist meine größte Motivation, um weiterhin – am Besten für immer – vegan zu leben.

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