Inspiriert hat mich auf meinem Weg auch Carina, Bloggerin und Superköchin! Unser „Kennenlernen“ war wirklich komisch, aber es ist wunderbar, dass es so gekommen ist! Vielen Dank für die schönen Gespräche!

Wann bist du vegan geworden? Warst du vorher Vegetarier?
Als ich 10 Jahre alt war, habe ich – zum anfänglichen Entsetzen meiner Eltern – entschieden: „Ich bin jetzt Vegetarier!“ Bis ich dann vegan wurde, hat es jedoch noch eine ganze Weile gedauert. Im Oktober letzten Jahres war ich endlich bereit, den nächsten Schritt zu gehen.

Was war der Auslöser?
Den Anstoß zum Veganwerden hat mein Freund gegeben. Er ist ebenfalls Vegetarier geworden, nachdem wir ein Dreivierteljahr zusammen waren. Erst da habe ich wieder angefangen zu hinterfragen, wo mein Essen herkommt. Irgendwann habe ich nur noch Bio-Milchprodukte gekauft, später Eier weggelassen.

Nachdem mein Freund sich in Rahmen seiner Diplomvorbereitungen intensiver mit dem Thema Tierhaltung auseinandergesetzt hatte, teilte er mir eines Tages mit, er wolle jetzt vegan leben. Anfangs habe ich mich ziemlich dagegen gesträubt (mein geliebter Käse!!), dann aber eigenständig recherchiert.

Ich war zum ersten Mal wieder offen für eine Veränderung und bereit, mich der Wahrheit zu stellen. Mir dämmerte langsam, was ich lange Zeit nicht wusste oder – wenn ich es wusste – verdrängt habe: Kühe müssen gar nicht gemolken werden. Sie geben nur Milch, wenn sie ein Kälbchen zur Welt gebracht haben. Weibliches Kälbchen = Milchkuh. Männliches Kälbchen = Kalbsfleisch. Auch Milchkühe werden geschlachtet. Als mir klar wurde, dass ich all das unterstützt habe, indem ich Milch getrunken und Käse gegessen habe, wurde mir ganz anders. Von da an gab es für mich nur noch eine Möglichkeit. Schlussendlich haben wir alle tierischen Produkte aus unserem Kühlschrank verbannt und leben seitdem vegan.

Vor welche Herausforderungen stellt dich deine vegane Lebensweise?
Ein veganes Leben in einer nicht-veganen Welt ist nicht einfach. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich eine rosarote Brille abgenommen. Wie weitreichend die Verwendung tierischer Inhaltsstoffe ist, war mir vorher nicht bewusst. Hier Gelatine, da Lactose, dort Knochenleim. Hier Leder, da Seide, dort Wolle. Daher lese ich die Inhaltsangaben immer genau und stelle hier und da Produktanfragen an die entsprechenden Firmen. Klar, das ist ein Mehraufwand. Aber er lohnt sich für mich. Ich möchte gar nicht mehr blind kaufen oder konsumieren.

Früher habe ich vieleicht ab und zu die Augen verschlossen, wenn mir die wahren Ausmaße meines Konsumverhaltens zu viel wurden. Lieber nicht darüber nachdenken, als etwas zu verändern. Auch wenn es machmal belastend ist, so klar zu sehen, wie sehr Tiere leiden, möchte ich nie wieder zu dem Punkt zurückkehren, an dem ich all das nicht wusste. Meine Lieblings-Autorin Colleen Patrick-Goudreau fasst das für mich sehr schön zusammen:

„Being fully awake to animal suffering can be incredibly painful; there’s a reason we say that „ignorance is bliss.“ Indeed, it’s blissful only for those who aren’t the victims. However, I wouldn’t trade the heartbreak of awareness for all the world; after all, only an open heart can break.“

Was bedeutet vegan für dich? Welche Möglichkeiten eröffnet dir die vegane Lebensweise?
Für mich bedeutet vegan, endlich entsprechend meiner Werte zu leben und nicht mehr für die Ausbeutung von Tieren verantwortlich zu sein. Das ist, als wäre mir eine riesige Last genommen worden. Ich bin wesentlich offener, auch meinen Mitmenschen gegenüber. Ich scheue – im Gegensatz zu meiner Zeit als Vegetarierin – nicht mehr vor Diskussionen über das Thema zurück. So ergeben sich oft interessante Gespräche.
Seit ich vegan bin, habe ich auch viele neue Menschen kennengelernt. Es ist schon praktisch, wenn man direkt ein gemeinsames Gesprächsthema hat.

Ich koche jetzt mehr und abwechslungsreich als je zuvor. Und ich habe gemerkt: „Hey, ich kann ja backen!“ Im Mai habe ich zum ersten Mal eine Freundin bei ihrem veganen Brunch (Vegan@heart) unterstützt, den sie in Düsseldorf veranstaltet. Der nächste Termin steht Ende August an und ich bin schon ganz gespannt darauf, wieder neue Rezepte auszuprobieren und zu zeigen, wie lecker veganes Essen ist.

Vor zwei Monaten habe ich außerdem angefangen zu bloggen (Rebellion im Unterton – oder auf Facebook!). Geschrieben habe ich eigentlich schon immer gerne – meine zahllosen Tagebücher können ein Lied davon singen. Hinzu kam, dass ich meist englischsprachige Koch- und Backbücher verwendet habe, aber nicht immer dazu kam, gelungene Rezepte für meine Mutter zu übersetzen. Die schrieb mir dann irgendwann in einer E-Mail: „Vielleicht solltest du wirklich eine Backseite im Internet rausbringen.“ Gesagt – getan. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal freiwillig etwas von mir ins Internet stellen würde – und dass es mir so viel Spaß macht! Zwar steckt mein Blog noch in den Kinderschuhen, aber ich fühle mich in der Blogger-Community schon herzlich aufgenommen. Ich liebe den Austausch untereinander und freue mich immer sehr, neue Blogger-Kollegen kennenzulernen.

Was ist deine Motivation, weiterhin vegan zu leben?
Ich merke, dass es vielen Vegetariern wie mir geht und dass sie auch nur einen kleinen Stupser brauchen, um den nächsten Schritt zu gehen. Nachdem ich einer meiner Arbeitskolleginnen erzählt habe, wie befreit ich mich durch meine vegane Lebensweise fühle, ist sie ebenfalls vegan geworden. Und vor einem Monat ist eine weitere Kollegin nachgezogen. Das motiviert mich, weiterzumachen. Ich glaube, dass wir noch viel erreichen können.

Manchmal frage ich mich zwar, ob nur ich dieses Gefühl habe, weil ich in meiner „veganen Blase“ lebe und mich viel mit dem Thema Veganismus beschäftige. Aber wenn ich sehe, dass z.B. dm seine Kosmetikartikel inzwischen auf der Website mit „vegan“ oder „nicht vegan“ kennzeichnet, ist das für mich ein Zeichen dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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