So gut wie jedes Gespräch zwischen Veganern und Omnivoren beginnt mit dieser, oder einer ähnlichen Frage. Irgendwann dreht es sich in solchen Gesprächen IMMER um das Warum. Und das ist auch gut so.

Ich selbst bin erst seit einem Jahr auf „meinem Weg“. Ich war Vegetarier, nun lebe ich vegan. Kurz gesagt, weil dies die einzige logische Konsequenz ist, die ich aus dem Vegetarismus ziehen konnte. Aber das versteht nicht jeder auf Anhieb!

Obwohl ich noch nicht lange tierleidfrei lebe, ist mir diese Frage schon etliche Male gestellt worden und ich habe sie schon etliche Male beantwortet. Dem einen knapp, dem anderen ausführlich. Je nach dem, wie tolerant oder ignorant dieser Mensch war. Im Zusammenhang mit blöden Kommentaren – ja, auch die erntet man – reicht meist schon ein kurzes „Weil ich’s kann!“ und der großäugige Gegenüber gibt Ruhe. Letztendlich sind die Gründe natürlich vielzählig und vor allem vielschichtiger, als das bloße „verzichten wollen“.

Und damit fängt es auch schon an. Verzichten. Als ich mich dazu entschieden habe, vegetarisch vegan zu leben, ging es keinesfalls um den bloßen Verzicht. Und auch in dem vergangenen Jahr hatte ich nicht einmal das Gefühl, zurückstecken zu müssen, zu verzichten. Im Gegenteil! Ich habe allein in diesem einen Jahr so viele neue Geschmäcker kennengelernt. Nicht alles ist lecker! Jeder, der schonmal in ein pures Stück Tofu gebissen hat, kann das wohl nachempfinden. Aber da der Kreativität keine Grenze gesetzt ist, habe ich schon jetzt zahlreiche neue Lieblingsgerichte!

Ein viel schwerwiegenderer Grund, als der Geschmack, ist jedoch die Ethik.
Aus welchem Grund ist es in Ordnung, Hühner, Schweine und Kühe zu essen, wenn man doch seinem Hund oder seiner Katze nie ein Haar krümmen würde?
Wer nun einwirft, dass ein „Nutztier“ aber doch ein schönes Leben hat, bevor es geschlachtet wird, weiß nicht, worum es geht. Unser Supermarktfleisch kommt nicht von grünen Weiden und hübschen Bauernhöfen. Vielmehr fristen die Tiere ihr tristes Dasein in dreckigen Schuppen, Drahtkäfigen oder anderen Gefängnissen. Eingesperrt zu Tausenden auf engstem Raum. Frische Luft werden sie nie kennen lernen. Genau wie die warme Sonne, die sie nie spüren werden. Sie werden weder eine Familie gründen können, noch ihre Jungen schützen oder gelernte Dinge an sie weitergeben.
Auch die Verwendung des Wortes „Nutztier“ ist aus tierrechtlicher Sicht verwerflich. Ein Tier, ein Lebewesen, das Leid empfinden kann, geboren um nach einem traurigen Leben, getötet zu werden…

Tausende von Menschen sagen, sie würden Tiere lieben und setzen sich trotzdem ein bis zweimal am Tag an den Tisch, um das Fleisch von Lebewesen zu genießen, denen alles entsagt wurde, was ihr Leben lebenswert machen könnte und die unsagbares Leid und das Grauen des Schlachthofes ertragen mussten.
(Dr. Jane Godall)

Auch die soziale Verantwortung spielt eine große Rolle. Der Großteil aller weltweit produzierten Sojabohnen wird in der Tieraufzucht verwendet. Zieht man Berechnungen in Betracht, so ergibt sich, dass man das doppelte der heutigen Menschheit, nämlich 12 Milliarden! Menschen, ernähren könnte, würden sich alle größtenteils pflanzlich ernähren.
Wie können also immer mehr Menschen über die Verwerflichkeit der Verwendung von Getreide in der Biodieselproduktion schimpfen? In solch einem Fall muss bedacht werden, dass 7-fach so viel an „gezüchtete Nutztiere“ verfüttert wird, für eine winzige Menge Fleisch, als „Ergebnis“.

Kaum ein Industriezweig produziert Treibhausgase in solch hoher Menge, wie die Produktion tierischer Produkte. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das fast 40% mehr Gase, als alle Autos, Lastwägen und Flugzeuge der Welt zusammen produzieren. Dazu kommt der enorme Wasserverbrauch, der mit dieser Produktion einher geht. Umweltschutz sieht anders aus! So ist der Fleischverzehr laut der Studie „Der lange Schatten der Nutztierhaltung“ einer der

wichtigsten Faktoren für die weitreichendsten Umweltprobleme […] – und das auf jeder Ebene, lokal bis global.

Auch gesundheitlich ist der Fleischverzehr bedenklich. So kann übermäßiger Verzehr zu Herzkrankheiten, Krebs und Schlaganfällen führen. Fleisch macht also dick und krank. Dass es ebenso dicke Vegetarier und Vegaber gibt, wie dünne Fleischesser, streite ich nicht ab. Doch bedenklich ist der Konsum in jedem Fall. Zumal durch Studien belegt werden konnte, dass nicht nur der übermäßige Konsum schädlich sein kann. Selbst ein „normaler“ Umgang mit tierischen Produkten, kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. In „The China Study“ sagt Dr. Campbell zusammenfassend:

…menschliche Studien belegen den karzinogenen Effekt von tierischen Proteinen, selbst bei normalem Konsum…. In der Verursachung von Krebs beim Menschen ist kein chemisches Karzinogen annähernd von so großer Bedeutung wie tierisches Protein.

Wenn man all diese Faktoren bedenkt und sich Gedanken über sein Verhalten und vor allem über die Konsequenzen macht, dann bleibt nicht mehr viel übrig, als die vegane Lebensweise. Vegetarier sein ist vielleicht ein Anfang, aber nicht die Lösung des Problems!

Don’t do nothing because you can’t do everything. Do something. Anything. – Colleen Patrick-Goudreau

Advertisements